Behauptungen der IKEA-Vertreter und ihre Einordnung

Behauptungen zum „Fachmarktzentrum“

Auf der Internetseite der Stadt Memmingen zum Projekt „IKEA“ (Quelle 3) ist zu lesen:

Der Fachmarktzentrum ist nach Aussage von IKEA aus folgenden Gründen notwendig:

  • Ohne ein Fachmarktzentrum ist eine langfristig wirtschaftliche Ansiedlung in Memmingen nicht möglich.
  • An anderen IKEA Standorten ohne Fachmarktzentrum hat sich gezeigt, dass sich weiterer Einzelhandel rund um das Einrichtungshaus ansiedelt. Dieser lässt sich in einem Fachmarktzentrum sinnvoll bündeln.
  • Mit den Angeboten des Fachmarktzentrums sollen vor allem bestehende Angebotslücken in Memmingen geschlossen werden, etwa in den Bereichen Möbel und Einrichtung sowie Baumarkt und Heimwerken. Die Kombination aus Einrichtungshaus und Fachmarktzentrum soll dazu beitragen, die Attraktivität, Einzelhandelsbedeutung und Nahversorgung von Memmingen zu stärken und das Einzugsgebiet zu vergrößern.

Diese Behauptungen werden nachstehend untersucht.


  • Ohne ein Fachmarktzentrum ist eine langfristig wirtschaftliche Ansiedlung in Memmingen nicht möglich.

Es ist mehr als zweifelhaft, dass eine langfristig wirtschaftliche Ansiedlung in Memmingen ohne ein „Fachmarktzentrum“ „nicht möglich“ ist.

Das würde nämlich entweder bedeuten, dass der IKEA-Markt selbst nicht ausreichend profitabel ist und aus Einkünften aus dem „Fachmarktzentrum“ wirtschaftlich gestützt werden muss.

Oder es würde bedeuten, dass mehr Kunden bei IKEA einkaufen, wenn sich daneben ein Einkaufszentrum befindet.

Dem widerspricht das von IKEA beauftragte GMA-Gutachten, das feststellt, der Einzugsbereich von IKEA sei wesentlich größer als der Einzugsbereich des „Fachmarktzentrums“.


Die Vertreter von IKEA verweisen auf die in Memmingen entstehenden Investitionskosten. Um wirtschaftlich zu bleiben sei die Errichtung eines „Fachmarktzentrums“ erforderlich. Was „wirtschaftlich“ und was nicht mehr „wirtschaftlich“ ist, entscheidet sich allein daran, welchen Zeitraum man betrachtet.
Auch ein IKEA-Markt ohne „Fachmarktzentrum“ oder mit verkleinertem „Fachmarktzentrum“ ist selbstverständlich „wirtschaftlich“. Nur erreicht IKEA mit dem Projekt schneller die Gewinnzone, wenn ein großes Einkaufszentrum zusätzliche Gewinne in die Kassen des Unternehmens spült.


Das „Fachmarktzentrum“ ermöglicht es IKEA, die eigenen Gewinne am Standort Memmingen zu steigern.

Die örtliche Vorsitzende des Handelsverbandes Bayern schreibt dazu:

„Man fragt sich, was die Gründe der Ikea-Verantwortlichen sind, einer Stadt wie Memmingen ein Fachmarktzentrum, das die Größe eines mittleren Einkaufszentrums hat, aufzudrängen. Diese Frage ist schnell beantwortet, wenn man sich die zu erwartenden Mieteinnahmen bei 30.000 qm Verkaufsfläche  vor Augen führt. Mieteinnahmen in Millionenhöhe pro Jahr lassen die Investitionen nahezu gering erscheinen.“

(siehe Positionspapier vom 18.02.2016)


  • An anderen IKEA Standorten ohne Fachmarktzentrum hat sich gezeigt, dass sich weiterer Einzelhandel rund um das Einrichtungshaus ansiedelt. Dieser lässt sich in einem Fachmarktzentrum sinnvoll bündeln.

Wie an anderer Stelle beschrieben ist in Memmingen aufgrund der Wettbewerbswirkung eher ein Sterben von Geschäften und der Leerstand von Verkaufsflächen zu befürchten.
Im Übrigen hat die Stadt die Planungshoheit und kann bestimmen, wo sich weitere Handelsunternehmen ansiedeln dürfen und wo nicht.


  • Mit den Angeboten des Fachmarktzentrums sollen vor allem bestehende Angebotslücken in Memmingen geschlossen werden, etwa in den Bereichen Möbel und Einrichtung sowie Baumarkt und Heimwerken. Die Kombination aus Einrichtungshaus und Fachmarktzentrum soll dazu beitragen, die Attraktivität, Einzelhandelsbedeutung und Nahversorgung von Memmingen zu stärken und das Einzugsgebiet zu vergrößern.

Wie andernorts beschrieben drohen erhebliche nachteilige Wettbewerbswirkungen.

Wie beschrieben schöpft das „Fachmarktzentrum“ überwiegend Kaufkraft aus der Region ab, die dem übrigen Handel verlorengeht.

Ein Papier des örtlichen Einzelhandels stellt fest:
„Der Bedarf der geplanten Sortimente ist nicht gegeben, weder im Nahversorgungsbereich noch als Sortimentsergänzung – mit Ausnahme eines weiteren Baumarktes. Seitens der Kommune wird nach Verkauf der Fläche kein Einfluss mehr auf die Sortimentsgestaltung möglich sein.“

(Positionspapier vom 14.06.2016)


Behauptungen zum Projekt insgesamt

Im Bericht der Memminger Zeitung vom 15. Dezember 2016 über die Präsentation der geänderten Pläne durch IKEA in der Stadthalle am 13. Dezember 2016 war zu lesen:

„Monika Kollmar von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung in Ludwigsburg machte deutlich, dass die Ikea-Ansiedlung für den Handel in der Innenstadt verträglich sei.

Zwar werde es eine Umverteilung bei den Umsätzen geben. ‚Aber der Umsatzverlust wird deutlich geringer sein als der Zuwachs, den sie durch neue Kunden generieren können‘, unterstrich Kollmar gegenüber den Händlern. Schließlich würde Ikea das Einzugsgebiet Memmingens um etwa 940 000 Menschen erhöhen. Ikea selbst rechnet mit 2,5 Millionen Besuchern pro Jahr.“


Hierzu ist festzustellen: Selbst die von IKEA beauftragten Gutachten der GMA sagen wesentliche Umsatzverlagerungen aus dem bestehenden Einzelhandel in das IKEA-Areal vorher. Die Behauptung, der innerstädtische Handel könne mehr Kunden hinzugewinnen als er an das IKEA-Areal verliert, ist aus der Luft gegriffen.
Sie lässt sich nur mit unrealistischen Annahmen begründen wie beispielsweise mit der Erwartung, 15 % oder 30 % der IKEA-Kunden würden zugleich die Innenstadt besuchen. Eine unrealistische Annahme, die jedoch gut in das PR-Konzept der IKEA-Vertreter passt.


Die Internetseite der Stadt Memmingen (Quelle 3) berichtet:

„Das Memminger Einzugsgebiet wird durch die Ansiedlung von IKEA vervielfacht. Aktuell leben rund 270.000 Einwohner im Einzugsgebiet von Memmingen. IKEA-Berechnungen haben ergeben, dass das Einzugsgebiet durch die IKEA Ansiedlung auf 1,2 Millionen Einwohner anwachsen wird.“


Bei der Präsentation in der Stadthalle am 13. Dezember 2016 zeigte Frau Kollmar die folgende Folie:

grafische Darstellung der erwarteten Kaufkraftverlagerung auf einer Landkarte

Die vorstehende Darstellung erweckt den Eindruck, als verlagere sich aus beiden farblich gekennzeichneten Zonen zusätzliche Kaufkraft nach Memmingen.

Zone II (orange dargestellt) ist jedoch nahezu identisch mit dem bisherigen „einzelhandelsspezifischen Verflechtungsgebiet“ der Stadt Memmingen.

Das bedeutet: Die hier angegebene Kaufkraft fließt nicht etwa zusätzlich nach Memmingen, sondern wird vom bestehenden Einzelhandel in das IKEA-Areal verlagert.

Die Erweiterung des Einzugsgebiets um den großen Bereich der Zone III (gelb) wiederum betrifft hauptsächlich IKEA: Nur das IKEA-Möbelhaus generiert den Großteil seiner Kunden aus diesem Gebiet. Knapp 70 % des Umsatzes des „Fachmarktzentrums“ (mit Ausnahme des Möbelsegments) kommen dagegen aus den Zonen I und II, einem Bereich, der bisher schon Einzugsgebiet des Memminger Einzelhandels war.