Daten zum „Fachmarktzentrum“

Bezeichnung

Der Begriff „Fachmarktzentrum“ legt nahe, es handle sich um eine Gruppe von „Fachmärkten“ mit sehr speziellem Sortiment.

Tatsächlich sind jedoch mehr als 13.000 Quadratmeter für Einzelhandelsgeschäfte vorgesehen, die zum größten Teil im Wettbewerb mit dem innerstädtischen Handel stehen. Weitere 9.000 Quadratmeter sind einem Baumarkt zugewiesen.

Ein von IKEA beauftragtes Gutachten ist eifrig bemüht, die Bezeichnung „Einkaufszentrum“ zu vermeiden:
„Im baurechtlichen Sinne handelt es sich bei dem Vorhaben um ein Einkaufszentrum; inhaltlich sind jedoch Unterschiede zu sehen.“ (Quelle 1 Seite 21)

Der Bescheid der Regierung von Schwaben zum Abschluss des Raumordnungsverfahrens (Quelle 6) ist andererseits überschrieben: „Errichtung eines IKEA-Einrichtungshauses und verschiedener weiterer Fachmärkte als Einkaufszentrum.

Betrachtet man die Zusammenfassung vieler verschiedener „Fachmärkte“ in einem Gebäudekomplex mit „Marktplatzcharakter“, ergibt sich der Eindruck, dass hier sehr wohl ein Einkaufszentrum vorliegt.


Größe

Die meisten Bürgerinnen und Bürger gehen vermutlich davon aus, im Wesentlichen siedle sich ein IKEA-Möbelhaus an und daneben entstehe ein Fachmarktzentrum als Anhang.

Es lohnt ein Blick auf die Zahlen:

Geplant ist ein IKEA-Einrichtungshaus mit etwa 18.000 Quadratmetern Verkaufsfläche in der ersten Ausbaustufe, die in einer möglichen zweiten Stufe auf etwa 25.500 Quadratmeter erweitert werden können.
Die Verkaufsfläche des „Fachmarktzentrums“ soll etwa 22.200 Quadratmeter umfassen, also größer werden als die erste Ausbaustufe und nur unwesentlich kleiner als die zweite Ausbaustufe von IKEA selbst.


IKEA veröffentlichte die folgende Bildanimation von der in Memmingen geplanten Ansiedlung, die von der Presse mehrfach übernommen wurde:

Computeranimation einer Seitenansicht des geplanten IKEA-Geländes in Memmingen

Der flüchtige Betrachter dieses Bildes erhält den Eindruck, der IKEA-Markt sei das dominante Element des Geländes, ergänzt durch ein Parkhaus und ein paar kleinere Nebengebäude am Rand.
Die Perspektive der Animation wurde strategisch gewählt.


In Wirklichkeit belegt der IKEA-Markt nur knapp ein Viertel der Gesamtfläche. Der weitaus größere Flächenanteil wird vom „Fachmarktzentrum“ und den Parkplätzen in Anspruch genommen, wie Sie aus der nachstehenden Grafik erkennen können (IKEA-Markt grün hervorgehoben):

Lageplan des geplanten IKEA-Areals in Memmingen mit farblicher Hervorhebung der Fläche des geplanten IKEA-Marktes


Nach der „alten“ Planung (25.500 Quadratmeter IKEA-Markt, 31.000 Quadratmeter „Fachmarktzentrum“) wurde für IKEA ein Jahresumsatz von etwa 65 bis 70 Millionen Euro vorhergesagt, für das „Fachmarktzentrum“ etwa 60 bis 70 Millionen Euro.
Daran wird deutlich: IKEA möchte mit dem „Fachmarktzentrum“ ähnlich viel Umsatz generieren wie mit dem IKEA-Markt; die wirtschaftliche Bedeutung des „Fachmarktzentrums“ und seine Auswirkungen auf den bestehenden Handel sind also erheblich und dürfen in der Betrachtung nicht unterschätzt werden.


Aufschlussreich ist auch ein Vergleich mit dem bestehenden Einzelhandel:

Die gesamte Verkaufsfläche der Memminger Innenstadt umfasst etwa 50.000 Quadratmeter.
IKEA und „Fachmarktzentrum“ zusammen sollen gut 40.000 Quadratmeter (erste Stufe) bzw. 48.000 Quadratmeter (zweite Stufe) groß werden.


Betrachtet man nur die Flächen, die eine unmittelbare Auswirkung auf den bestehenden Einzelhandel haben werden, ergibt sich folgendes Bild:

Die Verkaufsflächen sogenannter „zentrenrelevanter Sortimente“, also von Angeboten, die im Wettbewerb mit der Innenstadt stehen, werden in einer Projektkonzeption der GMA für das Gesamtprojekt nach neuer Planung (Quelle 5) mit Zahlen angegeben, die sich auf gut 11.000 Quadratmeter summieren.

Das ist erheblich größer als die Verkaufsfläche von Karstadt in Memmingen und fast doppelt so groß wie das Modehaus Reischmann.

Nimmt man die Verkaufsflächen für Fahrräder, Elektrogroßgeräte, Garten- und zoologischen Bedarf, Teppiche/Bodenbeläge und Farben/Lacke hinzu, die zwar nicht „zentrenrelevant“ sind, aber sehr wohl starke Auswirkungen auf bestehenden Einzelhandel außerhalb der Innenstadt haben werden, ergeben sich fast 17.500 Quadratmeter – doppelt so groß wie Karstadt.


Geplantes Sortiment

Im Einzelnen sind im sogenannten „Fachmarktzentrum“ nach der im Dezember 2016 vorgestellten geänderten Planung folgende Verkaufsflächen vorgesehen:

Bau- und Heimwerkermarkt9.000 m²
Elektromarkt2.500 m²
Sport- und Fahrradmarkt2.000 m²
Bekleidung/Textilien1.700 m²
Drogeriemarkt1.500 m²
Baby-Fachmarkt1.400 m²
Zoofachmarkt1.100 m²
Lebensmitteldiscounter1.000 m²
Heimtextilien und Bettwaren1.000 m²
Schuhe500 m²
Sonderposten500 m²

Im von IKEA beauftragten Gutachten werden die Geschäfte fast immer als „Fachmarkt“ bezeichnet, was verschleiert, dass es sich um gewöhnliche Einzelhandelsunternehmen mit spezifischem Sortiment handelt.