Durchsetzung des Verzichts auf bestimmte Sortimente im „Fachmarktzentrum“ oder auf das „Fachmarktzentrum“ insgesamt

Ein „Fachmarktzentrum“ nach den Plänen von IKEA ist nicht alternativlos: Es kann verkleinert oder ganz verhindert werden!

Stadtrat Michael Hartge (ÖDP) führte in der Sitzung des Stadtrates vom 1. Dezember 2015 aus:

„Nur 12 der insgesamt 50 IKEA-Häuser in Deutschland haben ein Fachmarktzentrum dabei. (…) Von den 12 Häusern befinden sich gerade einmal zwei in Städten, die von der Einwohnerzahl und der Größe des Einzugsgebiets her mit Memmingen vergleichbar sind, nämlich Saarlouis und Hofheim-Wallau. In Saarlouis beträgt die Gesamtfläche des IKEA-Hauses mit Fachmarktzentrum ca. 22.000 m², in Wallau ist ein Fachmarktzentrum mit 9.700 m² angeschlossen. Die Fachmarktzentren dort sind also deutlich kleiner als das, was jetzt in Memmingen entstehen soll.
Die zwölf Fachmarktzentren von IKEA haben eine Einkaufsfläche von insgesamt 216.000 m², im Durchschnitt hat ein Fachmarktzentrum also 18.000 m². Somit liegt das in Memmingen geplante Zentrum (…) ganz deutlich über dem Durchschnitt. In den kommenden drei Jahren werden IKEA-Häuser eröffnet in Karlsruhe, Magdeburg, Wetzlar und Wuppertal, und zwar alle ohne Fachmarktzentrum. IKEA scheint also auch ohne Fachmarktzentrum überlebensfähig zu sein, was schon die 32 anderen Häuser ohne angeschlossene Fachmärkte zeigen.“

Von den im April 2016 im Bau oder in Planung befindlichen IKEA-Niederlassungen war Memmingen der einzige Standort, an dem ein „Fachmarktzentrum“ entstehen soll.


Eine Verkleinerung der Verkaufsfläche für Textilien wurde sogar schon in der ersten von IKEA beauftragten  Auswirkungsanalyse empfohlen:

„Unter städtebaulichen Gesichtspunkten bedenklich erscheinen (…) die Umverteilungsquoten im Bereich Bekleidung. Zwar liegen diese hier unter 10 %, einem Schwellenwert, der von Gerichten regelmäßig zur Bewertung herangezogen wird und auch in manche Landesentwicklungspläne Einzug gehalten hat (z. B. Baden-Württemberg). Aufgrund des aktuell recht guten Angebotes im Bekleidungssektor in der Innenstadt von Memmingen mit einer Vielzahl von Textilkaufhäusern, dem Warenhaus Karstadt und einer Reihe von klein- bis mittelflächigen Filialisten und inhabergeführten Fachgeschäften, wird keine zweistellige Umverteilungsquote erreicht. Dennoch ist auch bei weniger als 10 % Umverteilung zu beachten, dass hier deutliche Wettbewerbswirkungen aufgrund der Entwicklung eines dezentralen Standortes entstehen können.
Grundsätzlich stellen niedrigpreisigere Fachmarktangebote ein geringeres Überschneidungspotenzial für die großen innerstädtischen Magnetbetriebe aus dem Textilsegment dar, als Fachgeschäfte oder ein weiteres Textilkaufhaus. Da die Qualität bzw. das Preisniveau des potenziellen Anbieter am Standort Europastraße jedoch nicht über Festsetzungen im Bebauungsplan gesichert werden kann, sollte geprüft werden, ob die Gesamtverkaufsfläche von 3.500 m² reduziert werden kann, um die Umverteilungswirkungen gegenüber der Innenstadt insgesamt niedriger zu gestalten.

Grundsätzlich ist vor dem Hintergrund der aktuellen Angebotssituation in der Innenstadt von Memmingen darauf hinzuweisen, dass ein Wegfall eines Magnetbetriebes aus dem Textilsegment zwar in Teilräumen der Innenstadt zu städtebaulichen Auswirkungen durch Frequenzverluste führen kann, bei der Größenordnung der Umverteilungswirkungen jedoch keine Gefährdung der gesamten Funktionsfähigkeit der Innenstadt zu erwarten ist.“ (Quelle 1 Seiten 58 f.)

„Vor diesem Hintergrund ist v. a. eine Reduzierung der Verkaufsflächen bei Textilien zu empfehlen.“ (Quelle 1 Seite 74)


Die Behauptung von Seiten IKEA, der Standort Memmingen funktioniere nur mit einem „Fachmarktzentrum“, ist eine Behauptung, um Druck auf die Entscheidungsträger aufzubauen.
In der Vergangenheit wurde von IKEA in mehreren Fällen die zunächst angestrebte Errichtung eines Einkaufszentrums neben neu errichteten IKEA-Märkten aufgrund politischen Drucks der betroffenen Kommunen und Unternehmen wieder aufgegeben bzw. es wurde zumindest die Größe massiv reduziert.


Beispiele:

Hofheim-Wallau (50.000 Einwohner):

Ursprünglich war ein Fachmarktzentrum mit 24.600 Quadratmetern geplant. Nach Einsprüchen der Regionalversammlung und der Nachbarn wurde die Fläche auf 9.700 Quadratmeter reduziert. IKEA drohte, die geplante Zentrale für Deutschland zu verlegen. Dies ist inzwischen kein Thema mehr, die Zentrale steht wie geplant in Hofheim-Wallau.

Autobahnkreuz Wuppertal-Nord:

Hier wollte IKEA neben einem IKEA-Markt mit 25.500 Quadratmetern ein „Fachmarktzentrum“ mit 20.000 Quadratmetern errichten. Die Kommunalpolitik der Region und der benachbarte Einzelhandel wehrten sich. IKEA verzichtete auf das „Fachmarktzentrum“. Der IKEA-Markt wird wie geplant gebaut.

Lesen Sie hierzu den aufschlussreichen Artikel „IKEA kommt nach Wuppertal – der umstrittene Homepark nicht“ (Webseite).


Die Abwendung schädlicher Auswirkungen auf den bestehenden Einzelhandel ist also möglich, wenn der politische Wille dazu da ist.


Die Memminger Kommunalpolitik hat sehr gute Karten, um ihre Ansprüche hinsichtlich einer Verkleinerung des „Fachmarktzentrums“ oder eines kompletten Verzichts auf das „Fachmarktzentrum“ durchzusetzen:

IKEA hat ein sehr großes Interesse an einer Ansiedlung in Memmingen.

Ein Ausweichen nach Baden-Württemberg ist aufgrund der dort geltenden strengeren gesetzlichen Regelungen kaum möglich und auch sonst sind keine Alternativstandorte in Sicht, die für IKEA genauso vorteilhaft wären wie der Standort Memmingen.


Die Vertreter von IKEA drohen, sie würden das ganze Projekt aufgeben, wenn das „Fachmarktzentrum“ nicht genehmigt wird.
Darauf sollte die Memminger Kommunalpolitik klug reagieren.

Sie darf sich durch diese Drohung nicht erpressen lassen.


Wie auf dieser Seite beschrieben hat die bisher in Memmingen ansässige Wirtschaft erhebliche Nachteile und Einbußen durch ein „Fachmarktzentrum“ nach den Wünschen von IKEA zu erwarten.
Die Memminger Kommunalpolitik hat die ansässigen Händler und Unternehmer, die Memmingen in der Vergangenheit durch ihre Steuern, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Sponsoring-Aktivitäten unterstützt haben, zu schützen.


Zu der Möglichkeit, bestimmte Verkaufsflächen und Sortimente aus der Planung zu entfernen sei gesagt, dass die Einleitung der GMA-Auswirkungsanalyse darauf hindeutet, dass die Sortimente Textilien und Schuhe erst nachträglich in die Planung aufgenommen wurden:
„Nachdem sich im Dezember 2014 im Rahmen der Vorplanungen die Konzeption der Fachmarkteinheiten noch einmal geändert hatte, wurde die Wettbewerbserhebung im Januar / Februar 2015 um die Sortimente Textilien und Schuhe ergänzt.“ (Quelle 1 Seite 3)
Was erst nachträglich aufgenommen wurde, sollte sich umso leichter auch wieder entfernen lassen!