Wie könnte eine Lösung aussehen?

Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass die „Memminger Liste“ erhalten bleibt.


Vor zehn Jahren befand sich die Memminger Innenstadt schon einmal in einer schwierigen Lage.
Weil mehrere Unternehmen planten, aus der Innenstadt in den Außenbereich umzusiedeln, verabschiedete der Stadtrat 2007 diese Liste.


Sie legt Sortimente fest, die nur noch in der Innenstadt, aber nicht mehr auf der „Grünen Wiese“ neu angesiedelt werden dürfen.
Diese Entscheidung hat die Entwicklung der Altstadt sehr positiv beeinflusst: Es ging wieder aufwärts. Mehrere Unternehmen wagten größere Investitionen im Zentrum.


Nach der derzeitigen Planung sind im „Fachmarktzentrum“ Verkaufsflächen für Textilien, Schuhe, Sportbekleidung und kleinteilige Sportartikel vorgesehen.
Diese Sortimente verstoßen gegen die Bestimmungen der Memminger Liste.


Es gibt Bestrebungen, IKEA die Ansiedlung der genannten Verkaufsflächen zu gestatten und dafür die Memminger Liste „aufzuweichen“.
Das wäre ein Dammbruch: Auch jeder andere Anbieter könnte ab sofort Textilien und Sportartikel auf der „Grünen Wiese“ anbieten unter Verweis auf Gleichbehandlung mit IKEA. Der Schutz der Innenstadt durch die Memminger Liste wäre aufgehoben.


Es stellt sich sogar die Frage, ob auf die Stadt Memmingen in der Folge Schadensersatzklagen zukommen könnten von Unternehmen, die in den vergangenen Jahren wegen der Memminger Liste eigene Vorhaben nicht verwirklichen konnten.


Wie mir aus dem Stadtrat berichtet wurde teilte Ikea den Stadträten mit, der geplante Sportmarkt sei „nicht verhandelbar“. Das entspricht einem Raucher, der sich in einem Nichtraucherhotel einmietet und erklärt: „Dass ich im Hotel rauchen darf ist nicht verhandelbar.“
Gäste und Neubürger haben sich üblicherweise an die in einer Stadt geltenden Regeln zu halten. IKEA kommt nun daher und signalisiert hinsichtlich der vorgenannten Bestimmungen: „Ich denke gar nicht daran, mich an die in Memmingen geltenden Bestimmungen zu halten.“


Ein Baumarkt, ein Elektromarkt und ein Baby-Fachmarkt auf dem IKEA-Gelände werden ganz allgemein als unproblematisch wahrgenommen.
Das Vorhaben, dort ein riesiges Einkaufszentrum mit elf verschiedenen Sortimenten zu errichten, das nahezu halb so groß werden soll wie die gesamte Verkaufsfläche der Memminger Innenstadt, dient nach meiner Wahrnehmung andererseits einzig und allein dem Ziel, die Gewinne von IKEA an dem Standort zu maximieren (siehe auch Informationen zur Steuervermeidung durch IKEA).


Dieses Vorhaben beeinträchtigt die bestehende vielfältige mittelständische Handelsstruktur in Memmingen massiv und gefährdet bestehende Unternehmen.
Zur Abwendung einer großen Gefahr, die jahrzehntelang spürbare schädliche Auswirkungen auf die Memminger Innenstadt und deren künftige Entwicklungsmöglichkeiten haben wird, halte ich es für dringend erforderlich, dass der Memminger Stadtrat und die Stadt Memmingen IKEA deutlich machen: „Die Ansiedlung von Innenstadtsortimenten im „Fachmarktzentrum“ unter Verstoß gegen die Bestimmungen der Memminger Liste ist nicht verhandelbar.“


Weil der Standort für das Unternehmen außerordentlich wichtig ist, wird sich IKEA dem beugen – so wie es schon an vielen anderen Standorten nach Widerspruch aus der Politik von früheren Maximalforderungen abgerückt ist.


Ergänzend sollte aus meiner Sicht unbedingt gründlich darüber nachgedacht und diskutiert werden, ob wirklich ein Verkauf von Fahrrädern im IKEA-Areal zugelassen werden soll.
Mir erscheint der bestehende mittelständische Fahrradfachhandel in ähnlicher Weise schutzbedürftig und schützenswert wie der innerstädtische Einzelhandel.